Tanken oder Warten?

Öl ist noch für Generationen genügend in der Erde. Die Erdölreserven – also die mit gegenwärtiger Technik und zu heutigen Preisen gewinnbaren, bekannten Vorkommen – steigen Jahr um Jahr an. So soll es beispielsweise in den Gewässern vor der norwegischen Küste noch nennenswerte unentdeckte Ölfelder geben, die auf ihre Erschließung harren. Das kann die sichere Versorgung Nordeuropas mit dem flüssigen Gold noch Jahrzehnte unterstützen und der norwegischen Ölindustrie noch mindestens bis zum Jahr 2023 ein Wachstum bescheren.

Hinzu kommt die Aussicht, dass künftig auf erneuerbarer Basis hergestellte annähernd CO2-neutrale, synthetische Brenn- und Kraftstoffe das Mineralöl Stück für Stück ersetzen werden. Mobilität und Wärme auf Basis flüssiger Energie hat also noch eine lange Zukunft. Das bietet etliche Chancen. Flüssige Energieträger lassen sich kostengünstig weltweit transportieren und ohne Energieverlust lange Zeit lagern. Überdies können sie in bestehenden Motoren und Heizsystemen verwendet und mit vorhandener Logistik befördert werden. All das spart Kosten und fördert gleichzeitig dank zunehmendem Einsatz synthetischer Öle den Klimaschutz.

Doch diese positiven Aspekte dürften den Heizölkunden, die aktuell ihre Bestände auffüllen wollen, wenig helfen. Denn die Heizölpreise befinden sich seit einigen Tagen auf einem neuen Jahreshoch.

Zusätzlich zu preistreibenden Faktoren auf den globalen Ölmärkten wie etwa die US-Sanktionen gegen den Iran oder die insgesamt steigende Ölnachfrage tragen einheimische Ereignisse zu seigenden Heizöl- und Kraftstoffpreisen bei.

Nach dem Großbrand in der Bayernoil-Raffinerie im oberbayerischen Vohburg fällt ein wichtiger Heizölproduzent für die kommenden Monate aus, der damit für die Versorgung des starken süddeutschen Heizölmarktes fehlt. Gleichzeitig finden in weiteren Raffinerien geplante Wartungsarbeiten statt und der nach langer Trockenheit noch niedrige Rheinpegel behindert die Zufuhr von Importware aus den großen Ölhäfen Rotterdam und Antwerpen.

Fazit: Eigentlich kann es nur besser werden. Die Frage ist allerdings, ob die Preise noch rechtzeitig vor dem Winter wieder sinken. Es macht also durchaus Sinn, jetzt Preisschwankungen nach unten – die es durchaus gibt – auszunutzen und zumindest eine Teilmenge nachzutanken.